bigud

 

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Das Kunstwort “bigud” bindet als Akronym, als Initialwort die Anfangsbuchstaben der Titelworte eines wesentlichen Erfahrungsfeldes meiner Tätigkeit in Beratung, Supervision und Mediation zusammen. Über Wege und Wissen in Beratung, Supervision und Mediation haben die vorlaufenden Seiten einige Auskunft erteilt. Wege, die in Problemfeldern verstellt sind, können mit methodischem Wissen geöffnet oder neu gespurt werden, um nachhaltig und zukunftsfähig Bahn zu bieten.

Das Akronym “bigud” bietet aber auch zwei sprachliche Impulse für einige Worte zu den Werten, zu einer evangelischen Werteorientierung meiner Arbeit in Beratung, Supervision und Mediation, denn Zukunft in sich ist ziellos und Dauer in sich allein von Depression oft nicht zu unterscheiden.

Der eine Impuls liegt in der lautmalenden Ähnlichkeit von “bigud” mit dem angelsächsichen “be good” und assoziiert so den Appell: “besinne dich auf deine Stärke”, “gib dein Bestes”. Gerade die humanistischen Therapieverfahren gehen von einer anfänglichen Lebensstärke des Menschen aus, analysieren ihre Schwächungen und suchen sie zu beheben. Hierbei hilft eine Kultur der Aufklärung und gezielten Anerkennung. Sie spielt in der angloamerikanischen Lebenswelt eine signifikant bedeutsamere Rolle als in der europäischen, speziell auch in der deutschen, die vielfach auf Kritik, Anweisung und Korrektur gerichtet ist. Deshalb wird in Beratung, Supervision und Mediation auch gerne von der Stärkung der “soft skills” in Ergänzung zu den “hard skills” gesprochen, den “weichen” Faktoren der Beziehungs-, Kritik-, Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit, der sozialen Kompetenz und emotionalen Intelligenz. Hier werden die Werte “sei, wer du bist”, “du kannst es”, “gib dein Bestes” herausgemeißelt. Sie sind neben den harten Fakten des technischen Berufswissens nicht minder massive Kräfte bei der gelingenden Gestaltung der persönlichen und beruflichen Biographie. Sie fördern Sensibilität für das Humanum und seine Stärke, erweitern Frustrationstoleranz, verbinden klare Sachlichkeit in der beruflichen Arbeit mit einer Kultur der Anerkennung, lassen verantwortliche Delegation zu und ermöglichen weitreichende Organisationsformen der Kooperation. Supervision, Beratung und Mediation arbeiten mit Organigrammen, mit Skizzen und Bildern, in denen Beziehungsgeflechte verdeutlicht werden, die Positionen der sozialen und persönlichen Stärke und Schwäche fixieren und denkbare Wege skizzieren.

Den zweiten Impuls zur Werteorientierung liefert “bigud” dadurch, das es im hebräischen Spracherbe einmal “treulos sein”, “bundbrüchig sein” bedeutet und zum anderen mit seinem Konsonantenbestand “bgd” das hebräische Wort für “Kleid” bildet. Mit diesem sprachlichen Impuls liefert mir das Wort “bigud” zum Bild vom Humanum, vom “Menschlichen im Menschen” eine Fülle von Geschichten. Eine ist die biblische von Joseph, dem Sohn Jakobs. Der hatte seinem Sohn ein buntes Kleid geschenkt, seinen elf anderen Söhnen jedoch nicht. Joseph war eben der Lieblingssohn Jakobs. Joseph zieht sich dieses Kleid innerlich wie äußerlich an. Er posiert vor seinen hart arbeitenden Brüdern und zeigt ihnen, dass er mehr wert ist als jene. Bei ihnen wachsen aus anhaltender Demütigung Zorn und Rachegelüste. Sie planen Josephs Tod. Es kommt beinahe zur Katastrophe und nur Berechnung und Gelegenheit vereiteln den Brudermord. Joseph wird an eine vorbeiziehende Karavane verkauft. Die Täter haben den Familienbund der Gewaltlosigkeit gebrochen. Ihren Vater betrügen sie. Sie zeigen ihm das bunte Kleid, das sie zuvor mit Tierblut getränkt hatten, und zucken mit den Schultern: Unfall mit Todesfolge. So sieht lapidare Rache aus: väterliche Ungleichheit wird durch Gewalt korrigiert: die Gleichheit der Brüder ist wiederhergestellt. Diese Gleichheit trägt jedoch den Todeskeim der Gewalt in sich. Diese Geschichte wird in dem großen Roman von Thomas Mann “Joseph und seine Brüder” literarisch, wenn sie es als biblische nicht schon gewesen ist. Ihr gesellen sich weitere Geschichten von Kleidern hinzu, Hans Christian Andersens neue Kleider des Kaisers etwa. Bei ihm ist es die unschuldige Stimme des kleinen Kindes, die den Spuk von Betrug, Ignoranz und Liebedienerei durchbricht: der Kaiser ist ja nackt. Hier sprach der Mensch im Kind. Solche Zwiesprache öffnet mir den Weg in die Welt christlicher und evangelischer Werte.

So umspielt das Akronym “bigud” für mich Varianten des Humanum, der Würde des Menschen in seiner Vielfalt und Brüchigkeit, ihrer Anfälligkeit für Betrug und Gewalt wie ihrer Kraft zur Anpassung und Widerständigkeit. Die Menschenwürde (lat. dignitas) tritt mit der Renaissance aus dem theologischen Programm des Mittelalters heraus und wird mit der Aufklärung zum allgemeinen Menschenrecht. Dieser vielschichtige Prozess, der Befreiung wie Gewalt in Staat und Familie einschließt, führt in die Wertedebatte unserer Tage hinein. Hier stellt er assoziativ die Menschenwürde neben die Kreditwürdigkeit, die Glaubwürdigkeit menschlichen Versprechens. Noch heute tritt dabei die Bürgschaft als Sicherung menschlichen Versprechens, menschlicher Glaubwürdigkeit auf, aber kaum noch wie in Schillers berühmter Ballade, sondern wie in der Welt des Geldes, des Eigentums und Kapitals. Wir stehen heute in den gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Entwicklungen, die Menschen in Gemeinde und Diakonie in deutliche Problemfelder stellt. Wir befinden uns in den Arbeitsfeldern für Supervision, Mediation und Beratung.

 

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